Ausgrabung Maya-Stätte “Tamarindito” in Guatemala

Die archäologische Stätte Tamarindito befindet sich in der Petexbatunregion im Südwesten des Mayatieflandes. Sie war von der frühen Klassik bis in die Postklassik besiedelt und war von etwa 400 bis 800 n. Chr. Sitz einer königlichen Dynastie, die weite Teile der Petexbatunregion beherrschte. Der Ruinenort wird seit 2009 vom Tamarindito Archaeological project unter der Leitung von Markus Eberl (Vanderbilt University) erforscht.

maya archaeologe tamarindito

Sarah Levithol beim Kartieren von Tamarindito mit einer Totalstation

Tamarindito sitzt auf der Nordostecke einer Steilböschung, die die Petexbatunregion in einem L-förmigen Bogen durchzieht und etwa 60 Meter hoch ist. Die Ruinenstätte bietet eine spektakuläre Aussicht nach Norden zum Pasiónfluss und dem modernen Ort Sayaxché und nach Osten zur Tamarinditolagune und dem Petexbatunfluss und der gleichnamigen Lagune. Tamarindito liegt heute am östlichen Ende eines Naturreservats, das auch die bedeutenden archäologischen Stätten Arroyo de Piedra und Dos Pilas enthält.

Tamarinditos Zentrum ist in zwei Gruppen aufgeteilt (Plaza A und B), die auf zwei hohen und künstlich eingeebneten Bergen liegen. Beide Plazas haben Tempelpyramiden, Hieroglypheninschriften, und Paläste. Wohngruppen der regulären Bevölkerung befinden sich östlich der Plaza A und südlich und westlich der Plaza B. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die menschliche Besiedlung von der vorklassischen Zeit bis in die Postklassik erstreckte.

maya archaeologin ausgrabungen

Claudia Vela mit Gerardo Tux Tec und Santiago Cho Coc beim Ausgraben

Der Ort erreichte seine maximale Ausdehnung in der Klassik. Hieroglypheninschriften halten die politische Geschichte fest. Tamarindito war der Sitz einer königlichen Dynastie vom fünften bis achten Jahrhundert n. Chr. Der benachbarte Ort Arroyo de Piedra war die Zwillingshauptstadt dieses Königreiches.

Die archäologische Stätte Tamarindito wurde 1958 als Teil der Erdölprospektion in der Petexbatunregion entdeckt. Der Geologe George Vinson, der für das Unternehmen Esso Standard Inc. arbeitete, sah die Pyramiden des Ortes zum ersten Mal, als er mit dem Hubschrauber nach Sayaxché flog. Vinson und sein Kollege Talbert besuchten den Ort im September 1958 und entdeckten die Hieroglyphentreppe 1. Vinson und Terence Grieder, der damals als Professor am Connecticut College arbeitete, erforschten den Ort im Juni und August 1960 und veröffentlichten Berichte mit einer kurzen Beschreibung der Gebäude und Monumente. Vinson kontaktierte den Epigraphiker Heinrich Berlin, um Informationen über die Hieroglypheninschriften zu erhalten doch seine Bilder erwiesen sich nicht als klar genug.

Ian Graham und Merle Greene besuchten zusammen mit anderen Forschern Tamarindito in den 1960ern und 1970ern und dokumentierten die Inschriften durch Fotos, Zeichnungen und Abreibungen. Im Jahr 1984 schufen Stephen Houston, Boyd Dixon und Alejandro Cordoba die erste Karte des Ortes. Dieses Projekt der Yale University erfasste die Inschriften. Stephen Houston, Peter Mathews, Kevin Johnston und andere Epigraphiker analysierten die Inschriften und rekonstruierten die königliche Dynastie des Ortes und seine Geschichte während der klassischen Periode.

Das Regional Archaeological Project Petexbatun von Arthur Demarest erforschte Tamarindito archäologisch in den 1990ern. Juan Antonio Valdés und andere waren verantwortlich für Ausgrabungen in Tamarindito. Nicholas Dunning untersuchte ökologische Aspekte des Ortes, zum Beispiel Terrassen für den Ackerbau. Während der systematischen Begehung der Gegend zwischen Tamarindito und dem Petexbatunfluss durch Dirk van Tuerenhout wurden die kleineren Orte Bayak und Battel entdeckt. Hector Escobedo arbeitete in Arroyo de Piedra, etwa drei Kilometer westlich von Tamarindito.

Das Tamarindito Archaeological Project, das von Markus Eberl geleitet wird, startete im Jahr 2009 und hat inzwischen vier Grabungssaisons abgeschlossen. Anders als die früheren Grabungen, die fast ausschlieslich in den beiden Zentren stattfanden, konzentrieren wir uns auf das gemeine Volk von Tamarindito. Wir begehen den Ort systematisch, erstellen eine neue Karte, und graben in aussenliegenden Wohngruppen. Wir erforschten zwischen 2009 und 2012 über vierzig Wohngruppen. Wir untersuchen sie durch Testgrabungen, der Reinigung von geräuberten Gebäuden, und grossflächigen Grabungen ganzer Gebäude. Trotz seiner Lage in einem Naturschutzreservat ist Tamarindito stark gefährdet. Bauern von umliegenden Dörfern drangen in den letzten Jahren in das Reservat ein und schlugen weite Teile des Regenwaldes ab, um Felder anzulegen. Sie räuberten auch viele der prähispanischen Wohngruppen. Wir dokumentieren die fortschreitende Entwaldung und die damit verbundenen Zerstörung des archäologischen Kulturerbes als Bestandteil des Tamarinditoprojektes.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertungen / Beitrag bewerten
Rating: 3.8/5 (6 votes cast)
Ausgrabung Maya-Stätte "Tamarindito" in Guatemala, 3.8 out of 5 based on 6 ratings

Leave a comment

You must be logged in to post a comment.