Der Maya-Kalender

Grundwissen zum Maya-Kalender

So wie wir heute nach dem gregorianischen Kalender leben, entwickelten die Maya ihre eigenen Methoden, um das Phänomen „Zeit“ zu erfassen und zu protokollieren. Und so entstand das Maya-Zeitmessungssystem welches wir heute unter dem Begriff “Maya-Kalender kennen.

Genau wie wir benutzten sie für die einzelnen Tage verschiedene Namen und hatten damit die Möglichkeit, einen Zusammenhang zwischen bestimmten Tagen und den an ihnen auftretenden Ereignissen herzustellen. Wir zählen unter Zuhilfenahme der Finger und benutzen ein auf der Zehn basierendes Zahlensystem (Dezimalsystem). Die Maya, die Hände und Füße benutzten, nahmen ein Zwanziger-System zur Grundlage Ihres Kalenders (Vigesimalsystem). Beide Systeme funktionieren nach demselben Prinzip: Während wir die geschichtliche Zeit in Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende gliedern, unterteilten die Maya sie in so genannte katúnes, Zyklen von je zwanzig Jahren, und baktúnes von je vierhundert Jahren (20 x 20). Der endlose Ablauf der Tage wurde in Gruppen immer wiederkehrender Zyklen untergliedert, deren Dimensionen vom Überschaubaren bis zur Unendlichkeit reichten. Die Charakterisierung eines bestimmten Tages war die Gesamtheit seiner Positionen innerhalb der diversen Kalenderzyklen.

Funktionsweise des Maya-Kalenders

Von diesen war der so genannte „Tzolkin“, ein 260-Tage-Zyklus, der wichtigste. Er setzt sich aus der Kombination von 13 Zahlen und 20 Namen zusammen. Ein Beispiel dafür anhand des deutschen Alphabetes:

1A, 2B, 3C, 4D, 5E, 6F, 7G, 8H, 9I, 10J, 11K, 12L, 13M

Nun sind dreizehn Zahlen verbraucht, man beginnt also mit der 1 von neuem, hat aber immer noch neue Namen (hier Buchstaben) zur Verfügung:

1N, 2O, 3P, 4Q, 5R, 6S, 7T

Jetzt sind alle zwanzig Namen benutzt worden, also beginnen wir wieder mit A, zählen die Zahlen aber weiter: 8A, 9B, 10C, … Nach 260 Schritten ist man wieder bei 1A angelangt, so wie bei uns nach sieben Tagen wieder der Montag auf den Sonntag folgt.Ein zweiter, bei den alten Maya gebräuchlicher Kalender zählte 365 Tage, unterteilt in 18 Monate von je 20 Tagen und einem Kurzmonat von 5 Tagen.
Das 365-Tage-Jahr hieß „Haab“ und beruht auf der Beobachtung des Sonnenjahres. Doch genau wie die anderen Kalender zählte und benannte jeder Haab-Zyklus die vollen Tage weiter und weiter, ohne dass je ein Ausgleich für den im exakt berechneten Sonnenjahr enthaltenen Vierteltag gemacht wurde. Während wir den überschüssigen Vierteltag alle vier Jahre zu einem ganzen Tag summieren und im Schaltjahr unterbringen, zählten die Maya ruhig weiter, ignorierten das übrig gebliebene Viertel. Sie wichen in ihrer Zählung niemals von der Abfolge ganzer Tage ab.

Wie die Monate in unserem Kalender hatte jeder Monat des „Haab“ einen individuellen Namen. Die einzelnen Tage jeden Monats wurden gezählt: So hieß der erste Tag des ersten Monats „1 Pop“, der zweite Tag „2 Pop” und so fort. Nach 52 Haab-Jahren bzw. 73 Tzolkin-Jahren sind alle Kombinationsmöglichkeiten beider Kalender verbraucht. Die Anfangstage beider Kalenderjahre decken sich und die Zählung beginnt von vorn. Der 52-Jahre-Rythmus – oder 7200 Tage – wird im Zeitmessungssystem der Maya „Kalenderrunde” genannt. Darüber hinaus wurde jeder einzelne Kalendertag von einem der neun „Herren der Nacht“ regiert, die einander in endloser, ewig gleichbleibender Folge ablösten. Außerdem registrierten die Maya für jeden Tag den Stand des Mondwechsels sowie seine Stellung im Venusjahr und anderen Planetenjahren. Das Zusammenspiel dieser vielfältigen kalendarischen Informationen verlieh jedem Tag seine eigene persönliche Identität, die in der ewigen Zählung der Zeit unverkennbar bleiben sollte. Zu alldem zählten Maya die Tage im Rahmen dieser umfassenden Langzeitrechnung in absoluter Zählung von einem kalendarischen Nullpunkt an (wie wir von Christi Geburt an), den sie mit der Entstehung des gegenwärtigen Weltalls identifizierten. Für diesen Kalender benutzt man den Namen „lange Zählung“.

Die Zählgrundlage begann mit einem Tag = 1 kin, 20 Tage bilden einen Monat = 1 uinic (Ein uinic oder Monat hat 20 Tage. Uinic bedeutet „Mensch“ und wird in diesem Sinn benutzt, da der Mensch insgesamt 20 Finger und Zehen besitzt).

18 Monate waren ein Jahr = 1 tun
20 tun = 1 katún (20 Jahre)
20 katún = 1 baktún (400 Jahre)
20 baktún = 1 biktún = 1 calabtún (160.000 Jahre) –
und so weiter bis unendlich mal mit 20 multipliziert

Während wir mit unserem Dezimalsystem zehn Ziffern zur Notierung von
Zahlenwerten benutzen, kamen die Maya mit nur drei Zeichen aus: Ein Punkt für die Eins, ein Strich für die 5 und ein Zeichen für die Null. Die Maya haben Datumsangaben in vertikalen Zeilen mit nach unten abnehmendem Stellenwert gelesen (siehe Abbildung links). In unserem Schriftsystem geben wir die Datumsangaben in horizontalen Zeilen, mit von links nach rechts zunehmendem Stellenwert wieder.

Das Ende oder Nulldatum des Maya-Kalenders

Das Nulldatum des Maya-Kalenders deckt sich mit dem Tag 13.0.0.0.0 der Langzeitrechnung und Tag 4 Ahau 8 Cumku in der Kalenderrunde und galt als Tag, an dem der neunte Herr der Nacht regierte. Mit der Fixierung des Nulldatums im Schnittpunkt dieser drei Koordinaten war der Maya-Kalender präzise festgelegt. Alle Zyklen rücken seit jenem Zeitpunkt Tag für Tag um eine Position weiter. Nach dem gregorianischen Kalender ist das Nulldatum identisch mit dem 13. August 3114 v. Chr. Die dreizehnte 400-Jahresperiode des Maya-Kalenders wird am 23. Dezember 2012 zu Ende gehen. Dann kehrt das Datum 13.0.0.0.0 der langen Zählung wieder. Anlass zu Festen, die in allen Maya-Gemeinden gefeiert wurden, lieferten die kalendarischen Besonderheiten, wie das Ende der 5-Jahres-Periode, das Ende der 20-Jahres-Periode, der Beginn des neuen Jahres, der Beginn der Regenperiode und herausragende Stadien des Sonnenjahres, wie das Durchqueren des Zenits. Dazu kamen Feste, zu denen die Lokalgeschichte Anlass gab, wie das Jubiläum der Stadtgründung, Inthronisationen, Hochzeiten oder herausragende Eroberungszüge. So setzte sich der Festkalender der Maya zum einen aus den überall zur gleichen Zeit begangenen, festgesetzten Festen zusammen und zum anderen aus den von Ort zu Ort verschiedenen dynastischen Festivitäten.

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Comments (2)

  • ollerollli63

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    Sehr, sehr gut erklärt. Das verstehe selbst ich als Maya-Neuling!!!

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  • Diedel

    |

    Super gemacht die Beschreibung des Kalenders. Herzlichen Glueckwunsch!

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